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Bei ausländischen Erzeugern unterwegs - wer baut das Obst und Gemüse an?

Tag 1

Tag 1

Tag 1: Der Blick auf die Orangen-Plantage von L´arcobaleno

Tag 2: Es ist wie an Heiligabend: jede Traube wird vom Papier befreit. Vorher weiß man nicht, was darunter ist.

Tag 2: Der Juniorchef Dario beginnt mit der Führung.

Tag 2: Voller Begeisterung sortiere ich meine selbstgeernteten Trauben.

Tag 3

Tag 3

Tag 3: Ferdinand Plietz auf einer Clementinen-Plantage. Es meldet sich ein Regen an.

Tag 3

Tag 3: Diese Oliven warten auf die Weiterverarbeitung zu erstklassigem Olivenöl

Tag 3: Die Sortieranlage bei Biosyparis

Tag 4: Giuseppe di Lauro in seinem Element

Tag 4: Eine ganze Armee Frauen sortiert den Brokkoli und prüft die Qualität.

Tag 4: Mangoldfelder

2016 KW49

Unser Großhändler Weiling veranstaltete im November eine Erzeuger-Exkursion nach Italien. Ich werde immer wieder gefragt, wie ich sicher sein kann, dass Bio aus dem Süden auch wirklich bio ist. Um beim nächsten Mal eine Antwort parat zu haben, die weiter reicht als „wir vertrauen unserem Großhändler“, packte ich meine Koffer für einen kurzen Trip zu vier verschiedenen Erzeugern.

Anreise

Die Stimmung war ausgelassen als wir uns am Flughafen Köln-Bonn trafen. An der Reise nahmen außer dem Großhändler nur Mitglieder des Ökokisten-Verbands teil – man kennt und mag sich also. Nachdem wir das deutsche Nieselwetter durchflogen hatten, bot sich uns ein herrlicher Blick auf die Alpen. Bei klarer Sicht reflektierten die schneebedeckten Berge das Sonnenlicht und schufen eine wohlige Atmosphäre.

Pünktlich erreichten wir den Flughafen Catania, wo wir auf wartende Mitreisende trafen, die mit dem Auto angereist waren – aus ökologischen Gründen, wie sie sagten. Unser Busfahrer Francesco lehnte mit italienischer Coolness gegen den modernen Reisebus und beäugte uns lächelnd durch seine angewachsene Sonnenbrille: „Buon giorno“. Bevor wir losfuhren schenkte er seinen Fahrgästen noch einige Gläser Sekt ein – die Stimmung war zwar bereits locker, aber eben nur für deutsche Verhältnisse. Und wir befanden uns ja nun in Italien. An der Flughafenausfahrt stellte der erste Kreisverkehr ein scheinbar unüberwindbares Hindernis dar. Es mutete an wie David gegen Goliath: der Kleine (Kreisverkehr) bezwingt den Großen (Bus). Francesco schaffte es letztendlich nach einigen Versuchen, das Gefährt langsam und unversehrt voranzubringen.

Ich war das erste Mal auf Sizilien. Vorher hatte ich den Namen der Insel assoziiert mit herrlichem Essen, Sonne, Strand, karge aber schöne Landschaften, netten Leute – und natürlich der Mafia. Diese Einschätzungen stimmten in vielerlei Hinsicht. Mein geistiges Auge hatte aber ein zu perfektes Bild im Blick, das wurde mir schnell klar. Nie zuvor hatte ich ein Land bereist, in dem so viele Häuser leer stehen und zerfallen sind. Der Straßenrand war gepflastert mit Müll, es roch oft fürchterlich. Das Müllproblem Siziliens offenbart sich einem sofort, in jedem mir bekannten Entwicklungsland ist das besser. Das Wort Mafia ist auf Sizilien Tabu, damit trifft man die Einheimischen an einer empfindlichen Stelle. Wer unbedingt über die Ganoven sprechen möchte, sollte lieber elegante Umschreibungen wählen, wie Organisation des Organisierten Verbrechens. Wer diese Regel beachtet und den Müll ignoriert, kann den Urlaub genießen.

Nach fast vier Stunden Fahrt erreichten wir den ersten Betrieb.

 

 

Tag 1: Besichtigung L´arcobaleno, Villafranca Sicula (Sizilien)

Produkt: Orangen

Die traditionelle Erzeugergemeinschaft L´arcobaleno wurde 1933 gegründet, heute sind 13 Gesellschafter beteiligt. In den hügeligen Tälern des Berges Sicane produziert der Betrieb Orangen von erstklassiger Qualität auf 100 Hektar Anbaufläche. Als wir ankamen, begrüßte uns einer der vielen anderen Francescos, diesmal der Chef von L´arcobaleno. Er und seine Geschäftspartnerin erzählten von der Geschichte des Unternehmens und beantworteten Fragen. Wir machten uns derweil über das erste Essen auf italienischen Boden: ein Brotzeit-Buffet. Erst als unsere Mägen gefüllt waren, gingen wir hinaus auf die Anbauflächen. Es hat mich begeistert zu hören, dass ein Baum durchschnittlich bis zu 200 kg trägt. Daraus ergibt sich ein Ertrag von 50 Tonnen je Hektar. Um die Erntesaison möglichst in die Länge zu ziehen, werden zwei verschiedene Sorten angebaut: Navel (frühreif) und Washington. 8,5 Hektar sind Naturland-zertifiziert. Unser Großhändler Weiling hat zugesagt, diesen Anteil der Ernte zu 100 % abzunehmen. Schon die Umstellung von EG-Bio auf Naturland hat Weiling initiiert und begleitet. Damit trägt der Händler zu einer weiteren Verbreitung strenger Standards für Bioanbau im Ausland bei. Gleichzeitig gibt er den Erzeugern durch Abnahmezusagen die Sicherheit, dass sich die Umstellung auf eine umfassendere Zertifizierung lohnt.

In der Halle werden die Orangen von einer Maschine sortiert, die Arbeiter lesen schlechte Qualität aus.

Nach Einbruch der Dunkelheit, weiteren Leckerbissen und deutschen Jägermeister (ich habe bis heute nicht verstanden, warum kein Ramazzotti ausgeschenkt wurde) fuhren wir ins Hotel. Gemeinsam mit den beiden Francescos und weiteren Anteilseignern L´arcobalenos genossen wir bis in die Nacht ein gefühltes 10-Gänge-Menü in einem noblen Restaurant am Fischerhafen Sciacca Agricentos. Viva Italia!

 

 

Tag 2: Besichtigung Golden Grape, Naro (Sizilien)

Produkt: Tafeltrauben

Dario und sein Vater Luigi sind Pioniere im Bio-Traubenanbau. Seit 1960 ist Luigi fasziniert vom Biogedanken. Zu dieser Zeit beäugten ihn seine Berufskollegen dafür noch lächelnd, bezeichneten ihn als Spinner und schüttelten den Kopf beim Anblick seiner „verunkrauteten“ Felder. Das ist das Laster der Pioniere, meinem Vater erging es genauso. Luigi ließ sich davon nicht beirren und stellte den Familienbetrieb 1994 vollständig auf Demeter um. Diese Mühe zahlt sich aus: das Unternehmen gilt heute als Vorzeigebetrieb für ökologischen Landbau auf Sizilien. Regelmäßig besuchen Studenten der Universität die Flächen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie gut Demeter-Anbau funktioniert. Der Juniorchef Dario ist promovierter Agronom und führt das Familiengeschäft begeistert und überaus erfolgreich fort.

Bei Golden Grape werden vier verschiedene Traubensorten kultiviert: Italia (grün), Red Globe (rot), rote und grüne Trauben ohne Kerne. Zu Saisonbeginn wird jeder Blütenstand mit Papier eingewickelt. Das dient dem Schutz vor Schädlingen und salzhaltigem Nebel des Meeres. Man muss sich das einmal vorstellen: jeder einzelne der abertausenden Blütenstände wird eingewickelt. Das ist eine Heidenarbeit! Obendrein ist dafür nur wenig Zeit. Wenn dieser Arbeitsschritt zu lange dauert, werden die Fruchtansätze von den natürlichen Feinden angegriffen. Das dünne Ökopapier bleibt bei der Ernte auf den Flächen liegen und wird in den Boden eingearbeitet. Im nächsten Frühling ist es abgebaut. Dario arbeitet gerade daran, die Ernte nächstes Jahr zu verfrühen, indem er einen Teil seiner Anbaufläche mit Thermofolie abdeckt. Traubenfans können sich auf eine längere Saison im nächsten Jahr freuen.

Wie es zur Zusammenarbeit zwischen Golden Grape und Weiling kam? Luigi und Dario erfuhren mittels sizilianischer Flüsterpost (obwohl Italiener selten flüstern), dass ein deutscher Großhändler mit ausgezeichneten Ruf sich bei L´arcobaleno aufhält. Unvermindert fuhren Vater und Sohn dort hin. Sie drückten dem Geschäftsführer von Weiling, Peter Meyer, einen Karton Trauben in die Hand und sagten: „Das sind unsere Demeter-Trauben. Was hältst du davon?“ Weiling sagte sofort zu und vermarktet heute einen großen Teil der Trauben unter der Marke Don Luigi.

 

 

Tag 3: Besichtigung Biosybaris, Corigliano Calabro (Kalabrien, ital. Festland)

Produkte: Clementinen, Orangen, Nektarinen und Pfirsiche

Am Morgen setzten wir aufs italienische Festland über und fuhren noch einige Stunden weiter nach Norden zum nächsten Betrieb.

Der Erzeugerbetrieb Minisci schuf auf Initiative von Weiling die Marke Biosybaris. Unter diesem Namen vermarktet das Unternehmen heute seine allseits begehrten Zitrusfrüchte. Die Anbaufläche der Genossenschaft mit 84 Gesellschaftern umfasst 600 Hektar, davon entfallen 220 Hektar auf Naturland und 110 Hektar auf Demeter, ansonsten gilt der EG-Standard. Weiling vermarktet sämtliche Demeter-Erzeugnisse exklusiv. Biosyparis ist hochprofessionell: vom Sortieren bis zum Abpacken ist alles durchorganisiert. Nach der Besichtigung der Halle und einem Vortrag über das Unternehmen aßen wir ausgiebig zu Mittag. Wie in Italien üblich stand eine Flasche leckeres Olivenöl auf dem Tisch. Das wurde im selben Betrieb hergestellt. Wir besichtigten nach dem Essen zuerst eine Clementinen-Plantage. Dort lernten wir über Schädlingsbekämpfung und die Ernte. Außerdem erfuhr ich, dass Kerne in Clementinen zumeist dann auftreten, wenn die Blüte bei der Bestäubung mit Blütenresten anderer Kulturen (wie z. B. Steinobst) in Berührung kommt.

Vor Einbruch der Dunkelheit und Einsetzen des Regens besichtigten wir noch eine große Plantage mit Steinobst-Bäumen (Pfirsich, Nektarinen, Aprikosen). Dann führte uns eine Mitarbeiterin durch die Olivenöl-Erzeugung.

Der Reiseveranstalter Weiling gönnte uns etwa zwei Stunden Auszeit im Hotel. Am Abend setzten wir uns wieder in den Bus, um zu Biosyparis zurückzufahren: Abendessen und Disko.

 

 

Tag 4: Besichtigung Azienda di Lauro, Ascoli Satriano (Ital. Festland)

Produkte: Petersilie, Brokkoli, Mangold, Staudensellerie

Seit 2005 betreiben die Brüder Francesco und Giuseppe Di Lauro Bioanbau im südlichen Italien. Die beiden stellten den koventionellen Betrieb ihre Vorfahren zuerst auf EG-Bio um, mittlerweile erfolgt eine schrittweise Umstellung auf Naturland.

Auch dieser Betriebsbesuch erweiterte meinen Horizont: nie zuvor hatte ich so große und kräftige Petersilie und derart gigantischen Staudensellerie gesehen - und auch der Brokkoli ist prächtig. Mir wurde bewusst, wie wenig ein ausgewachsener Staudensellerie mit dem zu tun hat, was wir in Deutschland vermarkten. Giuseppe belächelte uns Deutsche dafür, dass wir nur die Hälfte von der Ernte möchten und der bessere Rest weggeworfen werden muss. Nebenbei pries er Staudensellerie noch als das weltbeste Aphrodisiakum an. Seine Frau stand schamgerötet neben uns und schüttelte den Kopf: sie merke nichts davon, obwohl in ihrem Haushalt überdurchschnittlich viel verspeist wird.

Guiseppe erklärte uns, dass es den Brüdern viel Mühe kostet, den Anbau von EG-Bio auf Naturland umzustellen. Dies sei nur schrittweise möglich und die beiden hätten dadurch hohe Ausfälle gehabt und Verlust gemacht. Denn gerade beim Brokkolli setzt man verstärkt auf CMS-Saatgut. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung von Hybrid-Saatgut. Eine CMS-Pflanze bildet keine Blütenbeutel, was eine verunreinigende Eigenbestäubung unmöglich macht. Dieses Züchtungsergebnis zu erzielen, ist außerhalb des Labors unmöglich, denn es muss direkt an der Zelle gearbeitet werden (Erklärvideo unten). Sämtliche Anbauverbände betrachten CMS deshalb als Gentechnik light und verbieten den Einsatz. In der EU-Bio-Verordnung ist der CMS-Anbau gestattet.

An unserem letzten Abend in Italien gingen wir noch einmal alle gemeinsam in einem sanierten Gewölbekeller essen. Die Gebrüder Di Lauro hatten alles organisiert und ließen sich nicht lumpen. Jeder einzelne musste mit sich kämpfen, die meisten schafften die vielen Gänge nicht.

 

 

Fazit

So hatte ich mir das vor meiner Abreise vorgestellt: Zeit mit netten Kollegen verbringen, etwas von der Welt sehen und dabei viel über den Bioanbau lernen. Nie zuvor hatte ich Orangen und Clementinen wachsen sehen. Auch die Weiterverarbeitung von Oliven war absolutes Neuland. Die italienischen Betriebsinhaber ließen uns gerne ihr Lebenswerk sehen und wurde nicht müde, sämtliche Fragen zu beantworten. Jedes Unternehmen betreibt schon länger Ökoanbau als es in Italien überhaupt einen nennenswerten Markt dafür gibt. Das spricht für deren Überzeugung, macht sie aber abhängig vom Export. Die Orangen, Clementinen und der Brokkoli kommen momentan fast ausschließlich aus diesen drei Betrieben. Überzeugen Sie sich selbst von der Qualität.

Am besten gefiel es mir bei Golden Grape. Der Juniorchef konnte seine Begeisterung am besten vermitteln. Die Selbsternte von Trauben war ein Highlight der Reise. Der Betrieb liegt idyllisch und die ganze Familie war unglaublich nett. Ich bin sehr beeindruckt von der vielen Arbeit, die man sich bei Golden Grape mit dem Einwickeln der Fruchtstände macht. Und als großer Traubenliebhaber überzeugt mich der runde Geschmack.

Meine Erwartungshaltung an das Essen war hoch und wurde erfüllt. Als Fan der italienischen Küche schlug ich ordentlich zu.

Bitte zögern Sie nicht, zu fragen, wenn Sie noch etwas wissen möchten.

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