Wissenswertes rund um unsere Raritäten

Tomatenraritäten – eine kurze Abhandlung,

-                     warum es weltweit mindestens ca. 10.000 Tomatensorten gibt,

-                     worin sie sich unterscheiden und

-                     warum es wichtig ist, alte Sorten zu erhalten.....

 

Unsere Tomatenpflanzen tragen dieses Jahr sehr gut und die Früchte sehen wunderbar aus. Im Hofladen und in den gelieferten Kisten bieten wir gewöhnliche Sorten (rot und rund) an, aber auch Tomatenraritäten. Aus unseren knapp 200 angebauten Sorten findet jeder Kunde seine Lieblingstomate... Tomatenraritäten bieten wir nicht in einzelnen Sorten an sondern ausschließlich als offene Kilo-Ware.

 

Die Besonderheit der Raritäten sind ihr sehr unterschiedliches Aussehen wie Form und Farbe, ihre Geschmacksvariationen und die differenzierten Verwendungsmöglichkeiten. Keine Tomatensorte gleicht der anderen, keine komponiert dieselbe Aroma-Symphonie.

Die zarten Pflänzchen zeigen bereits im Frühling deutliche Unterschiede in der Wuchshöhe und -form. Die Früchte variieren von weiß über cremefarben, gelb, grün, orange, pink, rot bis zu braun-schwarz und gestreift.

Das umfangreiche Geschmacksspektrums bildet sich durch die Zusammensetzung von Säure und Zucker. Viel, wenig und mittelhohe Säureanteile treten kombiniert mit wenig bis hohem Zuckeranteil auf. "Jede Paradeis hat ihren eigenen Körpergeruch" – ein Vergleich mit Wein ist aufgrund des großen Geschmacksspektrums gerechtfertigt.

Auch die Verwendungsmöglichkeiten sind unterschiedlich. Kochtomaten haben einen geringen Wasseranteil, Fleischtomaten sind aufgrund ihres festen Fruchtfleisches hervorragend als „Sommersalate“ geeignet, die „normaleren“ Früchte sind vortrefflich für jede Brotzeit geeignet.

 

Reife, aromatische Tomaten „so wie sie früher waren“ sind stets leicht weich. Wir ernten sie erst, wenn sie ihr volles Aroma entwickelt habt. Trotzdem lässt sie sich in Scheiben schneiden und ist somit „schnittfest“. Die neueren Züchtungen wurden aufgrund der veränderten Lebensgewohnheiten „steinhart“ gezüchtet. Heute werden z.B. lange Transportwege zurückgelegt und im Supermarktregalen müssen lange Standzeiten ausgehalten werden um möglichst kostenoptimiert verkauft werden zu können.

 

Die Tomate ist ein Kulturgut. D.h. Sorten wurden von den Menschen über Jahrhunderte hinweg gezüchtet und unterscheiden sich mit ihrer genetischen Vielfalt in ihren Eigenschaften wesentlich voneinander. Durch ihre sortentypische Anpassung an lokale Gegebenheiten können Erträge besser gesichert werden. Lokale Sorten sind an das jeweilige Klima und den Boden besser angepasst als „handelsüblichen Marktfrucht-Sorten“ - die Pflanzen sind gesünder - und in ihrer Originalität können sie frei von aller Gentechnik angebaut werden.

 

Noch ein kleiner gedanklicher Exkurs: Die irische Hungersnot (1845) zwang viele Iren zum Auswandern nach Amerika. Inzwischen ist bekannt, dass die damals übliche Kartoffelsorte auf eine einzige Sorte spanischer Herkunft zurück zu führen ist. Die Krautfäule konnte sich rasant ausbreiten und die Folgen sind bekannt...

Ein Indio aus den Anden würde seinen Blick kopfschüttelnd von unseren Kartoffel–Monokulturen abwenden. Auf seinem Feld hat er stets mehrere verschiedene Sorten stehen und sichert sich damit seine Ernte. Denn die Klimaeinflüsse und das Wetter unterscheiden sich jährlich und jede Sorte hat ihre genetischen Vor- und Nachteile. Somit kann er z.B. aufgrund einer Frühjahrs-Trockenheit eine Ernte von den Pflanzen einholen, bei denen sich genau dieser Wettereinfluss nicht negativ auswirkt.

 

Problematisch ist, dass v.a. im konventionellen Anbau nur wenige marktübliche Sorten angebaut werden. Verschwindet eine (herkömmliche, alte) Sorte, so ist sie für immer und ewig verloren. Deshalb bemühen wir uns von der Ökokiste Schwarzach um den Erhalt alter Tomatensorten.
„Geschmack erzählt in schönster Weise vom Himmel".

 

Sobald Sie Ihre Lieblingstomate erkannt und geschmeckt haben können Sie unsere samenfesten Sorten nach folgender Beschreibung weitervermehren und im März aussäen:

Wie gewinne ich den Samen aus meinen besten Tomaten selbst?

Stellen Sie zunächst ein Glas oder eine Schüssel bereit. Halbieren Sie die Tomaten und reiben Sie die beiden Tomatenhälften - über dem vorbereiteten Gefäß - vorsichtig gegeneinander. Sie werden sehen, dass sich die Samen mit einiger Flüssigkeit so leicht vom Fruchtfleisch trennen lassen. Wiederholen Sie den Vorgang, bis sie genug von dem Tomatensamen zusammen haben. Am Ende haben Sie die Samen mit Flüssigkeit gemischt im Gefäß liegen.

Gießen Sie anschießend etwas lauwarmes Wasser in das Gefäß mit den Samen und lassen Sie es drei Tage lang an einem warmen Ort stehen. Sie sollten aber die drei Tage nicht überschreiten, sonst beginnt der Samen zu keimen und er würde damit unbrauchbar. Seihen Sie den Samen ab und legen sie ihn auf einem Küchentuch zum trocknen aus.

Sobald er richtig trocken ist, können Sie ihn in ein Glas abfüllen und möglichst kühl und dunkel lagern. So können Sie sich entweder einen kleinen Vorrat anlegen oder etwas an ihre Freunde und Bekannten weitergeben.

Sie müssen diesen Vorgang nicht jedes Jahr wiederholen, denn so gewonnener und gelagerter Tomatensamen bleibt für ca. 8 Jahre (oder länger) keimfähig.

14. Aug. 2009: Was, Tomaten sind nicht nur rot und rund?

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